Fragen und Antworten rund um die Traumatherapie!

Es ist nicht einfach, eine Therapie zu beginnen, in der ein schlimmes Ereignis behandelt werden soll. Ich weiß, dass man sich viele Fragen stellt, bevor man sich dazu entschließt. Hier gehe ich auf einige der häufigsten Fragen ein und hoffe, dass “Ihre” dabei ist. Falls Sie noch andere Fragen oder Antworten zur Traumatherapie haben, schreiben Sie mir diese per Email oder hier als Kommentar. Ich nehme sie dann gerne als Grundstock und erweitere den Artikel damit.

WER… WIE… WAS…?  WIESO… WESHALB… WARUM…?

Wer fragt, erhält Antworten! Und Antworten geben Sicherheit. Bitte zögern Sie deshalb niemals, alle Fragen zu stellen, die Sie auf dem Herzen haben. Ich habe bemerkt, dass die Menschen ihre Fragen vergessen, wenn sie in die Behandlung kommen. Dann gebe ich gerne den Tipp, sie im Alltag aufzuschreiben. Je mehr Sie fragen, desto gezielter verläuft Ihre anschließende Sitzung.

“Wer braucht eine Traumatherapie?”

  • Menschen, die an einer bereits diagnostizierten Posttraumatischen Belastungsstörung leiden.
  • Personen, die im täglichen Ablauf deutlich beeinträchtigt und überfordert sind nachdem sie ein außergewöhnlich belastendes Ereignis (oder Ereignisse) selbst erlebt haben und das sie alleine nicht vergessen oder verarbeiten können. Sie weisen dabei u.a. folgende, typische Symptome auf:

  Flashbacks (einschießende Nachhall-Erinnerungen und Bilder des Geschehens),
  Albträume, Schlaflosigkeit, Überwachheit,
  ein anhaltendes Gefühl von Betäubt-Sein und emotionale Stumpfheit,
  erhöhte Vigilanz (Reaktionsbereitschaft) und chronische vegetative Übererregtheit,
  Schreckhaftigkeit, Angst, Suizidalität,
 sozialer Rückzug, Vermeidung von Situationen, die an das Erlebte erinnern,
 Veränderte Fähigkeit zur Impulskontrolle und -Steuerung.

  • Personen, die in der Kindheit mehrfachen traumatisierenden Ereignissen ausgesetzt waren, z.B. Vernachlässigung und / oder Gewalt, sexualisierte Gewalt und die somit an einem Mehrfach-oder Komplextrauma leiden. Die Symptome sind zusätzlich zu den klassischen (s.o.):

  veränderte Fähigkeit, Affekte zu regulieren, Emotionen zu empfinden und zu steuern
  Probleme in der Fähigkeit, mit anderen Menschen in Beziehung zu treten
  eine veränderte Selbstwahrnehmung, Selbstbild, Selbstkonzept
  Persönlichkeitsveränderung

  • Personen, die Zeuge eines schlimmen und stark nachwirkenden Erlebnisses waren. Das kann im Rahmen des eigenen Berufes sein (Bsp. Feuerwehrmänner, Unfallhelfer, Ärzte und zugehörendes Personal, Therapeuten, etc.)

 

“Wer darf eine Traumatherapie durchführen?”

Folgende Personenkreise können eine Traumatherapie durchführen. Die Heilbehandlung ist dabei abhängig von der Zielsetzung des Arztes/Therapeuten, wenn es z.B. darum geht, begleitend Medikamente einzusetzen.

  • Psychiater und Fachärzte für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie, Neuropsychologen
  • spezielle Kliniken, die sich auf diese Behandlung spezialisiert haben und diese ambulant (Tagesklinik) oder stationär durchführen
  • Wer in Deutschland außer diesen eine psychotherapeutische Leistung anbieten will, braucht dafür eine Zulassung. Diese sind im Psychotherapeutengesetz und dem Heilpraktikergesetz verankert. Zusätzlich zu den jeweiligen Grundvoraussetzungen muss der betreffende Therapeut eine Ausbildung durchlaufen, die ihn dazu befähigt, gezielt die Folgen von Trauma zu behandeln. Folgende Personen sind dann berechtigt, Traumatherapien anzubieten: Psychotherapeuten (z.B. Psychoanalytiker, tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapeuten, Verhaltenstherapeuten) Heilpraktiker, Heilpraktiker für Psychotherapie.

 

“Wer bezahlt die Traumatherapie?”

Es gibt verschiedene Möglichkeiten. Die gesetzliche Krankenkasse bezahlt nach geregelten Richtlinien. Die private Versicherung oder die private Zusatzversicherung bezahlt gemäß der abgeschlossenen Police. Ganz oder teilweise übernimmt eventuell auch die Unfallkasse oder die Berufsgenossenschaft die Kosten.

» Die gesetzliche Krankenkasse übernimmt die Behandlung bei:

  • Einem der o.g. Ärzte oder in einer Klinik, es werden die anerkannten Richtlinienverfahren angewendet innerhalb des jeweils vorgesehenen Zeitkontingentes.
  • Psychotherapeuten mit Kassenzulassung nach gegebener Voraussetzung (er wendet die Richtlinienverfahren an) innerhalb des jeweils vorgesehenen Stundenkontingentes.
  • Psychotherapeuten ohne Kassenzulassung im Rahmen der Sonderregelung “Kostenerstattungsverfahren“, wenn sich kein Psychotherapeut mit Kassenzulassung finden lässt.

» Sie können die Behandlung als Selbstzahler finanzieren bei:

  • Psychotherapeuten ohne Kassenzulassung, freie Verfahrenswahl
  • Heilpraktiker und Heilpraktiker für Psychotherapie, freie Verfahrenswahl
  • Privatkliniken

 

“Was kostet eine Traumatherapie?”

Natürlich hängt das davon ab, zu welcher Form der Behandlung Sie sich entscheiden. Oben im Punkt “wer bezahlt die Traumatherapie” habe ich erwähnt, welche Möglichkeiten es gibt. Wird die Therapie von der Krankenkasse übernommen fallen in der Regel für Sie keine Kosten an. Wenn Sie eine private Lösung wählen, hängt es vom Behandlungssatz des Therapeuten ab.

  • Bei einem Psychotherapeuten richtet sich die Gebühr nach der aktuellen Gebührenordnung  für Psychotherapeuten. Eine Sitzung von 50 Minuten kostet derzeit (gemäß GOP) 100,55 Euro. Das kann je nach dem Zeitpunkt der erbrachten Leistung auch mal variieren (nach 20:00 h oder am Wochenende) und zusätzliche Kosten können anfallen (Anamnese, Diagnostik).
  • Bei einem Heilpraktiker oder Heilpraktiker für Psychotherapie gelten die von ihm jeweils festgelegten Stundensätze. In der Regel finden Sie diese auf den Webseiten des betreffenden Behandlers und sie bewegen sich innerhalb des Heilpraktikergebührenverzeichnisses.

 

“Wie beginne ich eine Traumatherapie?”

» Erste Anlaufstelle: Der Hausarzt!

Wenn Sie das Gefühl haben, dass Sie mit einem überwältigenden Erlebnis nicht alleine fertig werden und sich Symptome wie oben beschrieben einstellen, suchen Sie bitte Ihren Hausarzt auf. Er kennt Sie gut und Sie haben Vertrauen zu ihm. Gemeinsam können Sie die Möglichkeiten erörtern und Wege finden.

Je nach Schweregrad und Art des erlittenen Traumas ist eventuell eine stationäre Behandlung zu Anfang nötig, die dann später ambulant fortgeführt werden kann. Auch die ambulante Behandlung in einer Tagesklinik können Sie in Betracht ziehen, Adressen und Angebote in Ihrer Nähe finden Sie im Internet.

Wenn Sie stabil genug sind für eine “normale” ambulante Psychotherapie, wird er Ihnen eine entsprechende Überweisung  ausstellen und Sie können sich auf die Suche nach einem geeigneten (Trauma) Therapeuten machen. Das ist zur Zeit allerdings nicht so einfach, denn die Wartezeiten sind zum Teil recht lang. Viele Krankenkassen versenden jedoch auf Anfrage Listen mit Namen geeigneter zugelassener Therapeuten.

Findet sich in einem annehmbaren Zeitraum kein geeigneter Therapeut, haben Sie jederzeit die direkte Möglichkeit eine private und oft schnellere Lösung anzustreben.

 

“Wie läuft eine Traumatherapie ab?”

Eine spezielle Traumatherapie folgt im Idealfall einem Stufen-Plan, der sich sehr bewährt hat und der unbedingt auch die vegetativen Komponenten (Körpergedächtnis) mit berücksichtigt. Scheuen Sie sich nicht, Ihren Therapeuten danach zu fragen! Es ist ein notwendiger Baustein in dieser Therapie. Der Therapeut kann innerhalb dieses Planes variieren und deshalb verwischen die Grenzen ein wenig. Dennoch gibt es eine klare Struktur:

» 1. Die Stabilisierungsphase

Es ist eine Vorbereitungsphase, in der man dem Patienten hilfreiche Mittel und Wege zur Verfügung stellt, um den Alltag besser zu bewältigen. Ziele u.a. sind:

  Stress-Reduzierung durch gezielte Übungen
  Verankerung in der Gegenwart durch Achtsamkeitsübungen und spezielle Skills
  Stabilisierung und  bessere Impuls- und Affektkontrolle.
  Herunterkühlen der (chronischen) Übererregung
  Verbesserte Alltagsbewältigung.

» 2. Die Verarbeitungsphase 

Das ist die eigentliche Konfrontationsphase, in der auf das Erlebnis (oder einige wichtige Erlebnisse) eingegangen wird, um eine Verarbeitung des Geschehens zu fördern. Hier sollte ein geeignetes Verfahren eingesetzt werden können, das eine mögliche Retraumatisierung verhindern kann. Wichtiger Hinweis: Die Verarbeitungsphase kann auch entfallen, wenn der Betroffene das nicht wünscht und es ihm primär um die Verbesserung der Symptomatik geht. Es ist nicht zwingend notwendig, die Verarbeitungsphase im Sinne von Konfrontation komplett durchzuführen.

» 3. Die Integrationsphase

Das Erlebnis wird im Rahmen der persönlichen Lebensgeschichte betrachtet. Der Betroffene klärt dabei u.a. folgende Dinge:

   seine jetzige Lebenssituation, eventuell ergeben sich Änderungen von ganz alleine
  Berufswechsel, Standortwechsel? Das veränderte Selbstbild eröffnet oft neue Welten
  trainieren von neuen Mechanismen und Verhaltensweisen
  Stärken und besondere Fähigkeiten, gewonnen in der Zeit des Traumas zeigen sich
  Neuorientierung : Lebensperspektive, Zukunft, was soll werden, was darf nun sein?

 

“Wie lange dauert eine Traumatherapie?”

Ehrliche Antwort: das hängt davon ab! Ich kann hier keine pauschale Antwort geben. Es richtet sich nach der Art des gewählten Therapieverfahrens, nach der Arbeitsweise des Therapeuten und vor allem: nach der Art des Traumas. Ein einzelnes Schocktrauma ist schneller und besser aufzulösen als ein komplexes Mehrfachtrauma. Ich kann nur aus meiner Praxis berichten und damit ungefähre Werte liefern. Bei einem einzelnen Schocktrauma können 7 bis 10 Therapiesitzungen mit der geeigneten und richtig gewählten Therapie deutliche Symptomreduzierung herbeiführen. Komplextraumatisierung braucht entsprechend einige Sitzungen mehr, allerdings ist auch das wieder abhängig davon, ob bereits eine Psychotherapie im Vorfeld stattgefunden hat. Dann kann auch hier in weniger Zeit bereits viel erreicht werden.

» ganz grob gilt:

  • wer behandelt? (mit oder ohne Kassenzulassung = mit oder ohne Stundenregelung)
  • welches Therapieverfahren wird gewählt?
    Eine Psychoanalyse z.B. dauert naturgemäß sehr viel länger als eine Verhaltenstherapie oder
    eine gezielte Traumatherapie mit EMDR.
  • welcher Art ist das zu verarbeitende Trauma?
    Single/Schock (=Typ -I- Trauma)  oder Komplex/Mehrfachtrauma (=Typ -II-Trauma)
  • wie stabil ist die betroffene Person?
    z.B. Gibt es Vorbehandlungen? Wie stabil ist die Familiensituation und das soziale Umfeld, etc.
  • wie gut kann der Betroffene selbst mitarbeiten und die Stabilisierungsübungen nutzen?

Bitte informieren Sie sich zu genauen Angaben bei dem Therapeuten, den Sie sich aussuchen. All diese Dinge können in einem Erstgespräch erörtert werden, zögern Sie nicht, das alles genau zu erfragen.

 

“Was ist bei einer Traumatherapie anders als bei einer “normalen” Psychotherapie?”

Eine Traumatherapie ist ganz speziell darauf ausgelegt, die Folgen eines katastrophalen Ereignisses zu mildern, das ein betroffener Mensch nicht alleine verarbeiten kann und das zu Störungen seiner Alltagsbewältigung führt (siehe auch Punkt “Wer braucht eine Traumatherapie).

Ein erlebtes Trauma hinterlässt nicht nur Spuren im Denken und Erinnern eines Menschen, sondern manifestiert sich auch auf der körperlichen Ebene im Nervensystem!

Eine ideale Traumatherapie sollte daher über das reine Gespräch hinausgehen und es dem Betroffenen zusätzlich ermöglichen, die körperlichen Folgen eines Traumas auszugleichen. “Nur Sprechen” könnte möglicherweise zu einer Retraumatisierung führen, wenn eine gleichzeitige und geeignete Stressminderung bei der Schilderung des Geschehens unterbleibt. Ein Beispiel seien die alten Kriegsveteranen. Vielleicht haben Sie selbst auch schon erlebt, dass ältere Personen Episoden aus dem Krieg erzählten und jedes Mal wieder neu anfingen zu weinen. Gleichgültig, wie oft sie es erzählen, die Erinnerung scheint so frisch wie am ersten Tag und die verbundenen Gefühle können sich daher immer wieder aktivieren.

Ein wirklich verarbeitetes Trauma löst keine heftigen Emotionen mehr aus und die zugehörigen Bilder verblassen auf natürlichem Weg.

» Die moderne Traumatherapie berücksichtigt also im Idealfall:

  • der Hauptfokus liegt primär in einer Verbesserung der Alltagsbewältigung durch geeignete Tipps und Skills
  • eine ganz gezielte Psychoedukation (Aufklärung) über die seelischen und körperlichen Zusammenhänge der Traumafolge ist zwingend – wenn nötig auch mehrfach, wenn der aufgeregte betroffene Mensch am Anfang nicht alles mitbekommt. Das nötige Verständnis über die Zusammenhänge kann bereits einen Riesenschritt in Richtung Heilung bringen, bevor noch andere Maßnahmen eingesetzt werden
  • das gestresste Nervensystem muss mit geeigneten Mitteln beruhigt werden
  • wenn mit dem Erlebnis konfrontiert wird, dann sollte das unter gleichzeitiger Entspannung geschehen
  • Atemübungen, Imaginationstechniken, heilsame Bilder und Aktionen sind Bestandteil der Stabilisierungsarbeit und auch der Konfrontationsarbeit
  • eine bedingungslose Parteilichkeit des Therapeuten hilft dem Betroffenen sich geschützt und unterstützt zu fühlen. Er signalisiert, vollkommen auf der Seite des Opfers zu stehen und wird von sich aus nicht mit Forderungen/Vorschlägen von “Vergeben” oder “Verstehen des Täters” an den Betroffenen herantreten.

 

“Was kann passieren bei einer Traumatherapie, welches Risiko gibt es?”

» 1. Das Risiko der Retraumatisierung

Oben erwähnte ich das Risiko einer Retraumatisierung in einer (reinen) Gesprächssituation. Dieses Risiko ist im Prinzip bei jeder Form der Traumatherapie gegeben. Gemeint ist damit, dass durch die Konfrontation mit dem Erlebnis dieselben Gefühle hervorgerufen werden können, wie sie auch im Moment des Geschehens erlebt wurden und sie somit verstärken.

Warum kann das passieren? Ein traumatisierendes Ereignis ist im Körpergedächtnis verankert und kann “getriggert” und damit aktiviert werden. Kleinste Erinnerungssplitter können bewirken, dass das Trauma in Form von “Flashbacks” oder überwältigenden Gefühlen und maximaler Hilflosigkeit sich wieder in Erinnerung bringt. Hat ein Mensch beispielweise einen Überfall erlebt, der während starken Regens stattfand, kann künftig Regenwetter an sich schon ein Trigger sein und das Nervensystem maximal aktivieren. Auch das Geräusch von fahrenden Autos auf nasser Fahrbahn kann eine Flut an Erinnerungen auslösen oder vielleicht eine wahrgenommene Farbe im Zeitraum des Geschehens.

Allerdings geschieht das auch außerhalb einer Therapie und in der Regel ist es genau das, was die meisten Menschen in eine Therapie führt! So gesehen ist die Gefahr latent an sich ständig präsent. Der Unterschied besteht darin, dass in der Traumatherapie die Reizentwicklung unter kontrollierten Bedingungen durchgeführt wird. Die Kombination aus Stabilisierung und Konfrontation sollte sicher und sorgfältig angewendet werden können und der Betroffene erlebt dabei, dass ER SELBST es schafft, durch geeignete Tools, die Kontrolle wieder zu gewinnen. Das kann meistens zu deutlichen Verbesserungen führen.

» 2. Das Risiko der Symptomverschlechterung

Zu Beginn der Behandlung kann es zur vorübergehenden Verschlechterung der bereits bestehenden Symptome kommen, weil man sich mit dem Geschehen wieder beschäftigt. Im Alltag wird vieles unterdrückt und verdrängt, was nun in der Therapie angesprochen wird. Der Betroffene sowie der Therapeut sollten somit auch immer im Auge behalten, ob eine Überforderung eintritt und dann wieder rein stabilisierend arbeiten. Erfreulicherweise verläuft es in der Regel in guter Zusammenarbeit.

» 3. Das Risiko bei Medikamenteneinnahme

Manchmal werden Medikamente zu Beginn einer Traumatherapie eingesetzt oder waren bereits vorher Bestandteil einer Behandlung wegen depressiver Symptome. Die üblichen Risiken und Nebenwirkungen eines Medikamentes können dann auch hier auftreten. Der psychotherapeutische Behandler sollte über begleitende Medikamente informiert werden.

 

“Warum geht ein Trauma nicht von alleine weg?”

Ein Trauma setzt sich nicht nur in der Psyche fest, sondern wird auch im Körpergedächtnis mit abgespeichert. Daher kann das Nervensystem Ihnen zu gewissen Gelegenheiten immer wieder einen Streich spielen indem es auf gewisse Außenreize reagiert und die gespeicherten Emotionen wie am ersten Tag reaktiviert. Ihr emotionales Alarmsystem (die Amygdala als Teil des limbischen Systems) ist quasi auf Daueralarm geschaltet, wenn es um Eindrücke geht, die im Alltag auf Sie einströmen.

Ich erwähne hierfür noch einmal das oben genannte Beispiel mit dem Überfall bei Regenwetter.

Auch wenn Ihr Kopf, Ihr wissender Verstand genau “weiß”, dass es heute und jetzt keinen Überfall gibt, nur weil es regnet, reagiert Ihr emotionales Alarmsystem unmittelbar und ganz unbeeindruckt von ihrem kognitiven Wissen. Stimuliert durch den Außenreiz “Regen”,  meldet es GEFAHR, schlägt somit unverzüglich ALARM und fährt in Sekundenbruchteilen Ihr Stress-System in die Höhe. Sie empfinden Angst, Hilflosigkeit und alle anderen Gefühle, die Sie zum Zeitpunkt des Geschehens hatten. Obwohl kein Angreifer weit und breit in Sicht ist, reagiert Ihr Körper auf eine Gefahr, die er abgespeichert hat.

Ihre Amygdala befindet sich also auch nach langer Zeit noch mitten im Film und transportiert das nach außen. Mit reiner Vernunft kann man dem nicht beikommen. Eine Traumatherapie jedoch kann genau  das mit Hilfe der bestimmten Verfahren schaffen. Ziel ist es, der Amygdala fühlbar und begreifbar zu machen, dass “es” vorbei ist und dass die Alarmbereitschaft nun angemessen heruntergefahren werden kann. Das individuell gefärbte emotionale Bewertungssystem soll und kann sich dadurch der heutigen Realität anpassen können.

 

“Welches ist die richtige Methode für mich?”

Es gibt verschiedene Möglichkeiten der Traumatherapie. Welche davon die richtige für Sie sein kann, ist pauschal schwer zu beantworten. Ich habe festgestellt, dass die Methode sogar oft erst an zweiter Stelle steht. Wichtiger und entscheidend ist vor allem, ob Ihnen der Therapeut gefällt. Wenn Sie sich vorstellen können, mit ihm/ihr offen und frei reden zu können und sich auch in den Räumlichkeiten gut fühlen, ist das schon mal ein guter und gesunder Grundstein.

» Es kann zusätzlich hilfreich sein, sich im Vorfeld folgende Fragen zu stellen:

  • bin ich ein Typ, der sich am besten durch Sprechen Erleichterung verschaffen kann?
  • möchte ich am liebsten gar nichts zum Erlebnis sagen, es so knapp wie möglich formulieren und es möglichst ohne viel Reden verarbeiten?
  • bin ich ein sehr verkopfter Mensch und kann wenig damit anfangen, wenn ich Gefühle in meinem Körper “orten” soll?
  • kann ich gut Dinge imaginieren, also mir bildlich vorstellen oder würde mich das total überfordern, langweilen oder ärgern? Das ist zum Beispiel wichtig, wenn es darum geht, mit Anleitung einen “sicheren Ort” zu erstellen oder sich auf einer Phantasiereise an schöne Orte zu begeben.
  • bin ich eher der praktische Typ und mache lieber “handfeste” Hausaufgaben wie Atemübungen und andere Übungen zur Stressreduktion?
  • wie diszipliniert kann und möchte ich überhaupt sein, wenn es darum geht, aktiv zuhause mitzuarbeiten? Das kann wichtig sein, wenn Sie darum gebeten werden, Symptomtagebuch oder ähnliches zu führen.

Wenn Sie die Antworten auf diese Fragen haben, dann können Sie eher einschätzen, in welche Richtung es gehen soll. Ob Sie lieber in eine gesprächsorientierte Therapie möchten oder die “stilleren” Möglichkeiten wie z.B. EMDR oder Hypnose nutzen wollen. Je besser Sie sich selbst einschätzen, desto sicherer können Sie auch das passende Verfahren anpeilen und in Folge den Radius der Therapeuten abstecken, mit denen Sie arbeiten möchten.

 

“Lohnt sich der ganze Aufwand? Hilft mir das wirklich?”

Diese Frage möchte ich aus ganzem Herzen mit “JA” beantworten! Ja, es kann helfen, ja es kann sich lohnen,  ja es kann danach alles anders sein.

Eine Garantie gibt es dafür natürlich nicht, aber es kann eine deutliche Verbesserung der Symptome geben und somit neue Lebensqualität schenken. Die Vergangenheit kann als bearbeitet abgelegt werden und der Weg in die Zukunft sich künftig ganz anders gestalten. Es lässt sich schwer beschreiben und in Worte fassen, welche Höchstleistungen unser Gehirn da vollbringt. Aber es schafft Raum für Wege, die neue Gefühle zulassen und Ruhe ins Leben bringen können.

Fragen Sie und (ver)suchen Sie… den ersten Schritt gehen Sie!

 

Vermissen Sie (noch) Antworten zur Traumatherapie… ?

Sie haben noch Fragen und hätten gerne weitere Antworten rund um die Traumatherapie? Stellen Sie diese einfach in den Kommentaren oder kontaktieren Sie mich per Email. Ich ergänze diese Auflistung dann gerne, sicherlich ist es auch für andere Leser von Nutzen. Wenn Sie möchten, dürfen Sie auch Ihre Erfahrungen hier teilen, die Kommentarfunktion erlaubt mir, die Namen anonymisiert wiederzugeben.

Im Beitrag “Trauma – was es ist und wie es seinen Anfang nimmt” können Sie zu Trauma ganz allgemein weitere Informationen finden.

Ich wünsche jedem Leser und Betroffenen eine gute Perspektive für die Zukunft!

Herzlichst

Regina Herzog-Visscher

 

p.s.: In meiner Praxis arbeite ich mit der EMDR Methode und mit der EFT-Klopfakupressur in allen Varianten um belastende Erlebnisse aufzulösen. Dabei beziehe ich auch das “innere Kind” und das “innere Team” mit ein. Gerne stehe ich Ihnen für einen kostenlosen Informationstermin zur Verfügung.

 

 

2 Kommentare. Hinterlasse eine Antwort

  • Sophie Marie S.
    Juni 13, 2020 1:12 am

    Hilfreiche Darstellung.
    Woher weiß ich als Trauma II Patientin ( rituelle Gewalt ) das meine Traumatherapie ambulant ohne EMDR einenmal wöchentlich Sitzung seit einem Jahr bei mir zu Hause seit 5 Jahren in Behandlung ohne Abrechnung seit 2016 laut TK die Richtige ist?
    Habe nicht das Gefühl voran zu kommen. Bin teilweisein Göttingen Station 9 breche aber immer ab.

    Antworten
    • Regina Visscher
      Juni 14, 2020 8:49 am

      Liebe Frau S., vielen Dank für Ihren Kommentar! Natürlich kann ich aus der Entfernung keine wirklich hilfreiche Aussage treffen. Die Traumtherapie bei ritueller Gewalt ist sicherlich sehr anspruchsvoll und es braucht viel Erfahrung dafür. Und es wäre auch wünschenswert, dass sich das Gefühl einstellt, voranzukommen. Sie schreiben, die Therapie ist ohne EMDR… haben Sie es denn jemals mit einer EMDR-gestützen Therapie versucht? Das bewirkt manchmal wirklich einen ganz neuen Ansatz. Sollten Sie persönlichere Informationen erfragen wollen, schreiben Sie mir ruhig eine Email. Das ist dann auch diskreter für Sie und ich nehme mir gerne die Zeit für die Antwort. Herzliche Grüße, Regina Herzog-Visscher

      Antworten

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